Auf die deutsch-ungarische Freundschaft: Bálints Reise nach Heilbad Heiligenstadt (Teil 1)


Als sich am Montag, dem 20. April, zwei Kleinbusse im ungarischen Bagod in Bewegung setzten, schwang sich hoch oben auf dem Dach auch Bálint in die Lüfte. Bálint ist ein waschechter Bagoder Storch, und er hatte eine wichtige Mission: Er wollte sicherstellen, dass seine Schützlinge gut über die europäischen Grenzen kommen. Unter ihm reisten 10 ungarische Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule, begleitet von einer prominenten Delegation: Dem Bagoder Bürgermeister Ferenc Sipos, der Schulleiterin Anikó Kovacs, der Deutsch-Lehrerin und geschätzten Dolmetscherin Bernadette, dem Sportlehrer Feri (seit 1995 beim Austausch dabei) sowie dem Lehrer Josef mit seiner Frau, der pädagogischen Assistenzkraft der Schule. 

​Bálint segelte elegant über die Landschaften, bis die Busse gegen 17:30 Uhr ihr Ziel erreichten: Heilbad Heiligenstadt, die malerische Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld. Von einem sicheren Dachfirst aus beobachtete Bálint, wie die Türen aufgingen und eine überaus herzliche Begrüßung stattfand. Von deutscher Seite standen der Bürgermeister der Stadt Heilbad Heiligenstadt (Thomas Spielmann), die ehemalige Schulleiterin (Monika Goedecke), die jetzige Schulleitung samt Stellvertreter (Rebecca Gottschalk und Maximilian Lorenz) sowie unsere Lehrerin Frau Sieland bereit, die einst selbst als Schülerin an diesem seit 1995 bestehenden Austausch teilgenommen hatte. Nach den warmen Begrüßungsworten endete der Tag mit einem fantastischen gemeinsamen Abendessen. 

​Am Dienstag kreiste Bálint aufmerksam über dem Schulgelände der Regelschule Tilman Riemenschneider. Ein großer deutsch-ungarischer Projekttag stand auf dem Programm – und zwar für die gesamte Schülerschaft und das Kollegium! Neben sportlichen, künstlerischen und kulturellen Aktivitäten stieg Bálint bald ein unwiderstehlicher Duft in den Schnabel: Alle Schülerinnen und Schüler bereiteten gemeinsam Lángos zu und ließen es sich beim gemeinsamen Mittagessen schmecken. Am Nachmittag übernahmen die deutschen Schülerinnen und Schüler das Zepter und zeigten ihren Gästen bei einer Stadtführung ihr schönes Heilbad Heiligenstadt, bevor der Abend mit Spiel und Spaß Ausklang fand. Für die ungarischen Lehrkräfte gab es noch ein besonderes Highlight: Sie wurden von Sponsoren in das Restaurant Motz eingeladen. Dort gab es doppelten Grund zur Freude, denn Sportlehrer Feri feierte in Deutschland seinen 60. Geburtstag – eine schöne Tradition, denn schon seinen 50. Geburtstag hatte er hier verbracht! 

​Am Mittwoch machte sich Bálint auf den Weg nach Erfurt. Der Bus brachte die Gruppe in die Thüringische Landeshauptstadt, wo eine ganz besondere Ehre auf sie wartete: Eine höchstpersönliche Führung durch den Thüringer Landtag vom Landtagspräsidenten Thadäus König selbst. Nach etwas Freizeit in der Stadt ging es zurück nach Heilbad Heiligenstadt. Den Abend verbrachte man in großer, vertrauter Runde am MCH. Viele weitere Kolleginnen und Kollegen stießen dazu. Es wurde gegrillt, Sport getrieben, gelacht und sich ausgetauscht. Bálint klapperte zustimmend vom Dach, als klar wurde, was für ein großer Dank an dieser Stelle der Stadtverwaltung von Heilbad Heiligenstadt für die fabelhafte abendliche Organisation gebührte. 

Am Donnerstag schwang sich Bálint schon früh am Morgen in die Lüfte, denn es stand ein sportliches Highlight an: Eine große Fahrradtour für alle 20 deutschen und ungarischen Schülerinnen und Schüler! Damit die Gruppe überhaupt so mobil sein konnte, hatten Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler der Regelschule aus Heiligenstadt großzügigerweise ihre Fahrräder zur Verfügung gestellt. In Begleitung von sieben Erwachsenen trat die Gruppe kräftig in die Pedale. Zwar gab es unterwegs einen kleinen Sturz, doch zum Glück ging alles gut aus – vielleicht hatte Bálint von oben als kleiner Glücksstorch und Schutzengel ein wachsames Auge auf die Radlerin geworfen. Die Route führte die Truppe nach Wingerode zu einem wohlverdienten Eis und anschließend zurück nach Heiligenstadt. Im Vital Park lockte ein leckeres Mittagessen, bevor sich alle im kühlen Nass des Hallenbads erfrischen und beim Planschen entspannen konnten. Der aufregende Tag fand seinen Ausklang bei der Feuerwehr Heiligenstadt, die nicht nur ihre Türen öffnete, sondern auch ein tolles Abendessen sponserte – ein riesiges Dankeschön dafür an die Kameradinnen und Kameraden! Der Besuch endete mit einem echten Spektakel: Mit lauten Sirenen rückte die Feuerwehr urplötzlich vom Hof ab, um an einer großen Übung im Ost-Heiligenstädter Raum teilzunehmen. Bálint staunte von seinem Aussichtspunkt nicht schlecht über die großen roten Autos. 

​Der Freitag widmete sich tiefgreifenderen Themen. Am Vormittag besuchte die Gruppe das Grenzmuseum Schifflersgrund. Die Führungen boten eindrucksvolle Einblicke in die deutsch-ungarische Geschichte und verdeutlichten eindrücklich, wie sehr die historischen Ereignisse beider Länder miteinander verschweißt sind und warum die Dinge damals so ihren Lauf nahmen. Zurück in Heiligenstadt gab es ein gemeinsames Mittagessen im neuen Restaurant „Das Versteck“. Auch hier gilt ein großer Dank der Heiligenstädter Stadtverwaltung, die diesen informativen und reibungslosen Tag wunderbar organisiert hatte! Am Nachmittag stand das Miteinander im Fokus: In der Jugendhilfeeinrichtung „Villa Lampe“ gab es Raum für Kommunikation und herzliche Begegnungen. Die Gäste der ungarischen Austauschschule bereicherten den Nachmittag sogar mit einem eigenen kulturellen Programm. Ein herzliches Dankeschön an das gesamte Team der Villa Lampe für die Gastfreundschaft. 

​Am Samstag gönnte sich Bálint ein wenig Ruhe im Nest, denn es war Familientag. Die ungarischen Schülerinnen und Schüler verbrachten den Tag individuell bei ihren deutschen Austauschpartnern und deren Familien. Mit vielen tollen und persönlichen Aktivitäten machten die Gastfamilien diesen Tag zu etwas ganz Besonderem. Auch die ungarischen Lehrkräfte waren unterwegs: Sportlehrer Feri besuchte gemeinsam mit unserem ehemaligen Schulleiter Michael Krchov und unserem stellvertretendem Schulleiter Maximilian Lorenz die feierliche Eröffnung der großen Landesgartenschau im nahen Leinefelde. 

​Am Samstagabend hieß es dann schließlich: Koffer packen. Die erste, erlebnisreiche Woche neigte sich dem Ende zu. Als am frühen Sonntagmorgen um 5:00 Uhr der große Reisebus vor dem Marcel-Callo-Haus stand, breitete Bálint wieder seine Flügel aus. Die Koffer waren verladen, die deutschen und ungarischen Schülerinnen und Schüler saßen gemeinsam im Bus, und eine 13-stündige Fahrt zurück zum Storchennest nach Bagod lag vor ihnen. Bálint flog voller Vorfreude auf die zweite Woche des Austauschs voraus.