11.07.2019

Viel Lob aus dem Munde Meister Riemenschneiders

Tilman-Riemenschneider-Schule in Heiligenstadt verbindet festliche Zeugnisübergabe mit Feier zum 25-jährigen Namensjubiläum


Welch ein seltsames Gebäude, in dem sich Meister Riemenschneider da befand. Neugierig betrat er das für ihn unbekannte Bauwerk, hatte er doch auf einem Schild seinen Namen gelesen. Drinnen saßen Menschen im feinen Zwirn. Von ihm nie zuvor vernommene ¬Musik ertönte. Ganz und gar in Erstaunen versetzten ihn die Bilder an der Wand, denn die bewegten sich. All das hatte er noch nie erlebt, und er ließ sich von einer holden Magd und einem Herrn erklären, was hier am Nachmittag des 4. Juli anno 2019 so alles passierte.

Für Jannis Ringleb aus der Klasse 8B bedeutete sein Auftritt als Tilman Riemenschneider eine Premiere. Gemeinsam mit Hannah Hackethal und Jonas Lerch führte er durch das an ¬Höhepunkten reiche Programm. Die feierliche Zeugnisübergabe an die Absolventen der 10. Klasse der Tilman-Riemenschneider-Schule wurde verbunden mit dem Anlass der 25-jährigen Namensgebung für diese Bildungseinrichtung im Liethen-Wohngebiet. Eröffnet worden war der Neubau vor 35 Jahren.

Das Pädagogen-Team um Regelschulleiterin Monika Goedecke sorgt dafür, dass sich die Schüler mit dem Leben des berühmten Bildschnitzers und Holzbildhauers vertraut machen, der um 1460 in Heiligenstadt geboren wurde. So bieten Busfahrten nach Würzburg mit Stadtbesichtigung die Möglichkeit, Wissenswertes über dessen Wirken in der bayerischen Stadt zu erfahren, wo er von 1483 bis zu seinem Tode am 7. Juli 1531 lebte. Werde von der Bestimmung einer Schule gesprochen – das hob Monika Goedecke hervor – bedeute das, die Tilman-Riemenschneider-Schule sei „eine Schule mit Herz und Verstand“. „Alle Bildungswege stehen Euch offen, die Weichen hierfür stellt Ihr selbst“, wandte sich Landrat Werner Henning an die jungen Frauen und Männer, bevor sie ihr Abschlusszeugnis in Empfang nahmen. Zusätzlich zu einer Rose aus Lehrer-Hand erhielten alle zur Erinnerung an ihren großen Tag gebastelte Sonnenblumen, -überreicht von Schülern der 5. Klasse.

Mit der Frage, ob Jesus in die Schule gehen musste, überraschte Weihbischof Reinhard Hauke. Von 1983 bis 1987 war er in Heiligenstadt seelsorgerisch tätig gewesen. Bevor er von seiner täglichen Arbeit berichtete und seinen Segen sprach, nannte er Gemälde in Kirchen und Textstellen der Bibel, die aussagen: Auch Jesus hat gelernt. Schule sei mehr als reine Wissensvermittlung, sondern diene der Entwicklung eines jeden Menschen. Sein Rat: Sich selbst die Frage zu stellen, was hat mir Gott für Fähigkeiten geschenkt? Mit musikalischen Fähigkeiten überzeugten die Gruppe Tonez, die Schulband TRS und die Klasse 5B. Gerührt nahm Ehrenamtlerin Ritta Müller aus Niederorschel für das Kinderhospiz Mitteldeutschland einen Spendenscheck in Höhe von 300 Euro entgegen, übergeben von Schülerin Magdalena Raabe. Seit 2008 hält die Schule Verbindung zum Kinderhospiz in Tambach-Dietharz.

„Es gelüstet mich nach einem Lob“, unterstrich Tilman Riemenschneider angesichts dessen, was es für ihn zu hören und zu sehen gab, bevor er am Ende seiner Zeitreise wieder nach Würzburg zurückkehren wollte. Und gewiss war niemand in der Aula gegenteiliger Meinung.